In meiner Arbeit geht es um meinen Blick auf öffentlichen und privaten Raum: Einerseits Niemandsland, Wildnis innerhalb des urbanen Raums, Peripherie, Brachland. Durchgangsorte, „Nicht-Orte“ (wie Bahnhöfe, Hotels, Autobahnen, Züge, Tankstellen usw.), aber auch funktionelle Orte und Gebäude (Werkstätten, Lagerhallen, Industriezonen usw.) mit ihrer spezifischen Ästhetik. Orte, die durch Anonymität Freiräume bieten, Randzonen, die es ermöglichen, zu wuchern – mehr als notwendig in einer Welt, die durch und durch kontrolliert und gestaltet ist.
Andererseits das – imaginierte - Leben der Menschen hinter Fenstern, Mauern. Häuser/Behausungen als Orte, wo Intimität stattfindet, Nähe, Wärme. Fenster als Einblicke in diese sonst nicht zugängliche Welt, als Schnittstellen zwischen dem Innen und Außen. Balkone als Ausbuchtungen des Intimen ins Freie…
Licht, das die Dinge verwandelt. Und meine Wahrnehmung, mein Blick, die gleichfalls einen Ort ‚in ein anderes Licht rücken’, verwandeln.
Das Fremde im Eigenen, die Unverwechselbarkeit und zugleich Austauschbarkeit von Orten und damit die Auflösung ihrer Wertigkeit – vor dem Hintergrund der Auffassung, dass die „große weite Welt“ überall ist. Anders gesagt: New York ist so gesehen gleich spannend wie Neu-Rum.
Daraus ergibt sich eine spezielle Arbeitsweise, die in einem kontinuierlichen Untersuchen und Verwandeln mittels verschiedener künstlerischer Medien besteht und als Resultate jeweils ganze Komplexe von Bildern mit einem subkutan spürbaren Zusammenhalt entstehen lässt, die Destillate oder Stationen dieses Verwandlungsprozesses sind. Dabei ist wesentlich, dass nicht nur auf der Ebene der gewählten Motive/Ansichten, sondern auch auf der Ebene der gewählten Techniken/Medien ‚untersucht’ wird, sowie scheinbar Gegensätzliches ineinander aufgehen kann und soll.
Das geschieht durch ein schichtenweises Arbeiten, indem ich zunächst fotografiere, wobei viele der Fotografien als solche belassen werden, da sie keine weitere Bearbeitung mehr zulassen, zumal sie häufig malerische Eigenschaften besitzen.
Aus den Fotografien wähle ich dann einzelne aus, die ich fotorealistisch abmale(Acryl- und Ölmalerei). Dabei werden verschiedene Formate gewählt, wobei ich hier vergrößerte Ausschnitte, Details, sowie Ansichten des gleichen Objektes aus anderen Perspektiven male, es quasi malend ‚untersuche’. Hier kommt das Thema Zeit ins Spiel: Rasch entstehende Fotografien und langsam entstehende Malerei. Die Malerei als Untersuchung und Verwandlung sowohl der Dinge als auch der Fotografie.
In einem nächsten Schritt fotografiere ich wiederum diese Malerei, wähle Ausschnitte aus den nach der Fotografie gemalten Bildern, gehe wieder ins Detail. Durch Unschärfe provoziere ich ein Verwirrspiel, in dem die Medien Malerei und Fotografie ineinander aufgehen und im Folgenden immer wieder ineinander überführt werden bis zur Verschmelzung. Gleichzeitig nimmt der Grad an Abstraktion durch das Zoomen zu.
Ein parallel dazu erfolgender Arbeitsschritt besteht darin, gewisse Fotografien der nach Fotos gemalten Bilder ausdrucken zu lassen und diese Drucke partiell zu übermalen.
Sowohl Tag- als auch Nachtaufnahmen der ausgewählten Orte werden gemacht und Hintergründe speziell aus Nachtaufnahmen gleichfalls ge- bzw. übermalt, desgleichen beziehe ich verschiedene Formen der Vogelperspektive ein.
Milena Meller, 2010.
Text zur Ausstellung "heller tag" von Erika Wimmer
Text zur Ausstellung "stilles ufer" von Cornelia Reinisch
Text zur Ausstellung "langer gang" von Bernhard Braun